Der Ban Josip Jelačić Platz in Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens. In Zagreb, das etwa 700.000 Einwohner hat, lebt jeder sechste Einwohner Kroatiens.

Geografie und Bevölkerung

Kroatien in Kürze

Kroatien in der Europäischen Union
Kroatisches Wappen
Kroatische Flagge

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Offizieller Staatsname Republik Kroatien (Republika Hrvatska)
Hauptstadt Zagreb
Gesamtfläche Festlandterritorium 56.594 km², Seeterritorium (Innere Gewässer und Hoheitsgewässer) 31.076 km²
Nachbarländer und die Gesamtlänge der Landgrenzen Slowenien 668 km
Ungarn 355 km
Serbien 318 km
Bosnien und Herzegowina 1.011 km
Montenegro 23 km
Küstenlänge Festland-Küstenlinie 1.777 km, Inseln 4.058 km
Höchster Berggipfel Dinara, 1.831 m
Amtssprache Kroatisch
Einwohnerzahl (Volkszählung 2011) 4.284.889
Die größten Städte (Volkszählung 2011) Zagreb 688.163
Split 167.121
Rijeka 128.384
Osijek 84.104
Zadar 71.471
Pula 57.460
Slavonski Brod 53.531
Karlovac 46.833
Varaždin 38.839
Šibenik 34.302
Sisak 33.322
Vinkovci 32.029
Velika Gorica 31.553
Dubrovnik 28.434
Politisches System unitäre Republik mit parlamentarischem System
Staatsoberhaupt Präsident(in) der Republik
Mitgliedschaft in internationalen Organisationen Vereinte Nationen seit 1992
NATO seit 2009
Europäische Union seit 2013
Bruttoinlandsprodukt (2012) 334 Milliarden Kuna (45 Milliarden Euro)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 10.205 Euro
Export 9,6 Milliarden Euro
Import 16,2 Milliarden Euro
Währung Kuna (HRK)
Tag der Staatlichkeit 25. Juni
Internationales Kennzeichen HR
Telefonvorwahl 385
Internet-Domainname .hr
Zeitzone UTC+1

Lage

Auf der zeitgenössischen internationalen politischen Szene ist Kroatien seit seiner staatlichen Verselbstständigung von der jugoslawischen Föderation präsent, also lediglich etwas länger als zwei Jahrzehnte. Was aber seine Geschichte und Kultur angeht, so ist Kroatien eines der ältesten europäischen Länder. Das heutige kroatische Hoheitsgebiet und seine Grenzen wurden über einen langen historischen Zeitraum gebildet; im Laufe der Geschichte brachte das kroatische Volk seine nationale und politische Subjektivität kontinuierlich zum Ausdruck, sei es als ein selbstständiger Akteur oder im Rahmen verschiedener staatlicher Gefüge.

Die geopolitische Lage Kroatiens ist mithin von Verbindungen und Einflüssen unterschiedlicher ethnischer, religiöser, wirtschaftlicher und politischer Faktoren geprägt. In Anbetracht der komplexen Lage ihres Landes definieren es die kroatischen Autoren zumeist als mitteleuropäisches und mediterranes Land

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Fairy tale Croatia

Nach der vorherrschenden historischen Ausrichtung des Großteils seines heutigen Territoriums nach Wien und Budapest sowie den geografischen Merkmalen seines kontinentalen Binnenlandes ist Kroatien ein mitteleuropäisches Land. Auf der anderen Seite macht es die außerordentlich lange Küstenfront, die mitsamt ihrem unmittelbaren Hinterland in der Vergangenheit unter dem entscheidenden Einfluss der Seemacht Venedig stand, zu einem Mittelmeerland. Just im Hinterland der Adriaküste, in einem Dreieck zwischen den Städten Nin-Knin-Šibenik, befand sich der ursprüngliche Kern des mittelalterlichen kroatischen Staates. Die allgemeine Verschiebung des wirtschaftlichen Schwerpunktes in Europa gen Norden und das Beitreten Kroatiens zu staatlichen Bündnissen mit Ungarn bedingten gleichfalls eine Verlagerung des staatlichen Mittelpunktes Kroatiens nach Zagreb.

In der weiteren Umgebug des kroatischen Territoriums entwickelten sich im Laufe der Geschichte einige mächtige politische und wirtschaftliche wie auch zivilisatorische Zentren (die der alten Griechen, Römer, Byzantiner, Franken, Ungarn, Osmanen und Venezianer). Auf dem Gebiet Kroatiens waren ihre Einflüsse verflochten, und nicht selten standen sie im Konflikt miteinander. In der durch die christliche Glaubensspaltung ausgelösten Teilung stellte sich Kroatien auf die Seite des westlichen Christentums und bildete damit gleichzeitig seinen östlichen Grenzrand. Die langwierigen, zwischen den Großmächten ausgetragenen Konflikte, die nur ausnahmsweise durch seltene Perioden des Friedens unterbrochen wurden, bedeuteten eine ständige Bedrohung für die Existenz Kroatiens und waren zudem ein Hindernis für die nationale Entwicklung. Bei mehreren Gelegenheiten haben die ausländischen Mächte auf dem kroatischen Territorium ihre militärischen Verteidigungssysteme organisiert (z.B. die fränkischen Ostmarken, die österreichische Militärgrenze). Kroatien befand sich zudem auf der Route des weitesten Vordringens des Osmanischen Reiches in Richtung Mitteleuropa; dies führte zum Zusammenschrumpfen des kroatischen Staates und verursachte die rückgängige Verschiebung des kroatischen ethnischen Territoriums nach Westen. Als endgültige Konsequenz einer derartigen Lage Kroatiens entstand die ungewöhnliche Form seines heutigen Hoheitsgebiets, das in einem breiten Bogen das benachbarte Bosnien und Herzegowina umschließt. Die Lage des Landes am Berührungspunkt unterschiedlicher Kulturen hinterließ ihre Spuren im vielfältigen materiellen und geistigen Erbe; heute sind diese Spuren gemeinsam mit der ursprünglichen kroatischen Tradition in die eigene nationale und in der Gemeinschaft europäischer Völker erkennbare Identität eingebettet.

Eine direkte Folge der Zugehörigkeit Kroatiens zu den verschiedenen politischen Zentren im Laufe der Geschichte war die langandauernde fehlende territoriale Integrität der kroatischen Länder, der heutigen historischen Regionen. Unter solchen Umständen verlief die kroatische Politogenese, d.h. der kroatische Staatsbildungsprozess, erschwert und verzögert. Nachdem es jahrhundertelang die politischen Beziehungen zu mitteleuropäischen Ländern Österreich und Ungarn gehegt hatte, wurde Kroatien im Jahr 1918 ein Teil des jugoslawischen Staates, dessen Schwerpunkt und Zentrum östlicher lagen; folglich waren im größten Teil des 20. Jahrhunderts die kroatischen Interessen den jugoslawischen untergeordnet. Dennoch schaffte es Kroatien, auch innerhalb Jugoslawiens die eigenen Potenziale weiterzuentfalten, und gelegentlich sogar seine politischen Ziele zum Ausdruck zu bringen. Unter solchen Bedingungen einer begrenzten Unabhängigkeit gelang es Kroatien den Großteil seiner Gebiete, in denen die eigene ethnische Gruppe lebte, nach dem Zweiten Weltkrieg territorial zu integrieren, diese Gebiete während des Zerfalls Jugoslawiens militärisch zu verteidigen und, nach dem Zusammenbruch der blockpolitischen Spaltung Europas, sich zudem die internationale staatliche Anerkenung zu erkämpfen. Seine Souveränität sowie seine jahrhundertelange Orientierung zum Westen fanden ihre Bestätigung auch im Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union; im Rahmen dieser nimmt Kroatien ein wiederholtes Mal eine Grenzposition ein; die von Kroatien wiederum erfordert, sich am Prozess der EU-Erweiterung bezogen auf die Nicht-EU-Länder mit besonderem Interesse und Verständnis zu beteiligen.

Nationale Symbole

Unsere schöne Heimat,
Heldenhaftes liebes Land,
Alten Ruhmes Vätererbe,
Ewig sollst du glücklich sein!

Lieb bist du uns, wie du ruhmreich,
Lieb bist du uns, du allein.
Lieb bist du uns, wo du eben,
Lieb, wo du Gebirge bist!

Fließe Drau, Save fließe,
Auch du Donau, verliere deine Kraft nicht.
Blaues Meer, sage der Welt,
Dass der Kroate sein Volk liebt.

So lange die Sonne seine Felder wärmt,
So lange die Bora seine Eichen umweht,
So lange das Grab seine Toten bedeckt,
So lange ihm sein lebendiges Herz schlägt!

 

Nationalhymne. Die Nationalhymne heißt Lijepa naša domovino (Unsere schöne Heimat). Sie entstand zur Zeit der Illyrischen Wiedergeburt, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Text der Hymne wurde vom Dichter Antun Mihanović verfasst und von Josip Runjanin vertont. Von 1891 an galt sie als inoffizielle Nationalhymne, und im Jahr 1935 wurde ihr zu Ehren am Fluss Sutla in der Region Hrvatsko Zagorje zugleich ein Denkmal errichtet. Im Jahr 1972 wurde sie zur offiziellen Hymne der Sozialistischen Republik Kroatien erklärt und durch die Verfassung der Republik Kroatien aus dem Jahr 1990 als Nationalhymne bestätigt.

Nationalflagge. Die offizielle kroatische Flagge setzt sich aus drei Farben zusammen: rot, weiß und blau, mit dem Staatswappen in der Mitte; seit 1990 ist sie im amtlichen Gebrauch. Die Trikolore begann sich im Jahr 1848 unter dem Einfluss der Französischen Revolution hervorzuheben; sie entstand durch die Zusammenfügung der traditionellen heraldischen Farben der historischen kroatischen Länder. Ferner wurde die Verwendung einer solchen Trikolore auch durch den Kroatisch-Ungarischen Ausgleich aus dem Jahr 1868 vorgeschrieben; in ihrem Gebrauch zeichnete sich diese Trikolore ebenso im 20. Jahrhundert auch vor der Ausrufung der staatlichen Unabhängigkeit aus.

Staatswappen. Auch das Staatswappen ist seit 1990 im amtlichen Gebrauch. Es ist das historische kroatische Wappen in Form eines Schildes, der durch 25 rote und weiße (silberne) Felder geschacht ist. Fünf kleinere Schilde in der über dem Wappenschild gespannten Krone sind historische Wappen (von links): das älteste bekannte kroatische Wappen, das Wappen der Republik Dubrovnik sowie die Wappen Dalmatiens, Istriens und Slawoniens. Das historische kroatische Wappen erscheint bei verschiedenen Gelegenheiten seit dem 15. Jahrhundert. Das Wappen mit den 8 x 8 geschachten Feldern stand schon 1527 auf dem Dokument, durch das der kroatische Sabor die Wahl von Ferdinand I. von Habsburg zum kroatischen König bestätigt hatte; es wurde zur Grundlage für die Gestaltung nachfolgender kroatischer Wappen im Rahmen der Habsburgischen Monarchie. Bis 1990 war dieses Wappen auch ein Bestandteil des offiziellen Wappens der Sozialistischen Republik Kroatien. 

Nationale Feiertage. Tag der Staatlichkeit wird am 25. Juni gefeiert, zum Gedenken an den Tag, an dem der Kroatische Sabor im Jahr 1991 die Unabhängigkeit der Republik Kroatien proklamiert hatte. Zu den offiziellen nationalen Feiertagen zählen zudem: Unabhängigkeitstag (8. Oktober), Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit und Tag der kroatischen Verteidiger (5. August),  Tag des antifaschistischen Kampfes (22. Juni), Tag der Arbeit (1. Mai) und Neujahr (1. Januar). Arbeitsfreie Tage sind ebenso religiöse Feiertage nach dem gregorianischen Kirchenkalender: Dreikönigstag, Ostern, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen, Weihnachten und Stephanstag. Weihnachten nach dem julianischen Kirchenkalender ist ein arbeitsfreier Feiertag für die Bürgerinnen und Bürger des orthodoxen Glaubensbekenntnisses; für die Bürgerinnen und Bürger der islamischen Religion sind arbeitsfreie Feiertage Ramazan Bayrami (Fest des Fastenbrechens) und Kurban Bayrami (Opferfest) und für die Bürgerinnen und Bürger, die der jüdischen Religion angehören, sind es Rosch ha-Schana (Neujahr) und Jom Kippur (Versöhnungstag). 

Geography

Kroatien hat mehr als tausend Inseln und Eilande und die drittlängste Küste im Mittelmeerraum.

Kroatien hat die Form eines Hufeisens, das sich von Vukovar im Nordosten über Zagreb im Westen bis Dubrovnik im äußersten Süden des Landes erstreckt. Seine heutigen Konturen erhielt das Land größtenteils schon im späten 17. Jahrhundert. Mit einer Gesamtfläche des Festlandes von 56.594 km² ist Kroatien das neunzehntgrößte Land der Europäischen Union, auf der Rangliste steht es zwischen Lettland und der Slowakei. Das Land weist sowohl ein äußerst vielfältiges Landschaftsbild als auch ein ausgesprochen abwechslungsreiches Klima auf. Sein Gebiet umfasst gleichzeitig die weiten Ebenen im kontinentalen Teil zwischen den Flüssen Drau und Save (Slawonien), die echten Gebirgsregionen im mittleren Teil (Lika und Gorski kotar) und eine lange, gegliederte und besonnte Küste mit mehr als 1.000 Inseln im westlichen und südlichen Teil des Landes (Istrien und Dalmatien). Als ein Donau- und Adrialand, aber auch als die mediterrane Küstenfront Mitteleuropas erfreut sich Kroatien einer günstigen geografischen Verkehrslage im Schnittpunkt bedeutender transeuropäischer Verkehrskorridore, und über seine Seehäfen ermöglicht Kroatien den nördlicher gelegenen Nachbarländern den Meereszugang. Kroatien ist nicht nur das nach der vorrätigen Wassermenge pro Einwohner drittreichste Land Europas, vielmehr verfügt es über eine ökologisch besonders gut erhaltene Natur mit hunderten von endemischen Pflanzen- und Tierarten. Nahezu 10 Prozent des kroatischen Territoriums stehen unter Naturschutz – im Rahmen von 11 Naturparks, 8 Nationalparks und 2 streng geschützten Naturreservaten. › Mehr

Wussten Sie schon? Das Gebirge Velebit wurde in das internationale Netzwerk der Biosphärenreservate  aufgenommen (wissenschaftliches UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“). Auf der internationalen Liste der wertvollen Sümpfe befinden sich fünf Gebiete, die vor allem als Lebensraum der Sumpfvögel gelten: Kopački rit, Lonjsko polje, Neretva-Delta, Crna Mlaka und Vransko jezero.

Geschichtlicher Überblick

Das Wappen des Dreieinigen Königreichs Kroatien, Slawonien und Dalmatien sowie das Wappen der Stadt Zagreb auf dem Ziegeldach der St. Markus Kirche in Zagreb.

Das moderne, seit 1991 unabhängige Kroatien ist der Nachfolgestaat der kroatischen mittelalterlichen Fürstentümer aus dem 9. Jahrhundert, die zunächst auf den Fundamenten der Marken des Karolingerreiches und danach auf Grundlagen des Kroatischen Königreiches herausgebildet wurden. Dieses wurde im Jahr 925, während der Herrschaft des Königs Tomislav gegründet. Kurz nach dem Tod des letzten großen kroatischen Königs Dmitar Zvonimir ging Kroatien im Jahr 1102 die Personalunion mit Ungarn ein, dessen Thron im 14. Jahrhundert an die französische Dynastie Anjou verfiel. Nachdem im 16. Jahrhundert die Osmanen ins Land vorgedrungen waren und die kroatischen Adeligen beträchtliche Gebietsteile verloren hatten, wählten sie im Jahr 1527 Ferdinand I. von Habsburg zu ihrem Herrscher, wodurch Kroatien bis 1918 ein integraler Bestandteil des Österreichischen Kaiserreichs war. Die erste Hälfte dieses Zeitraums war durch fortwährende Kriege gegen die Osmanen und die zunehmende venezianische Aneignung immer größerer Gebietsteile entlang der Küste (Istrien und Dalmatien) gekennzeichnet, mit Ausnahme des äußersten Südens, wo im Zeitraum zwischen 1358 und 1808 Dubrovnik als eine unabhängige Republik emporstieg        und im Mittelmeer freien Handel betrieb. Nach der Niederlage der Venezianischen Republik und einer kurzfristigen Integration des südlichen Kroatien in Napoleons Illyrische Provinzen (1809 – 1813) befanden sich alle kroatischen Länder im Rahmen der Habsburgischen Monarchie, waren aber weiterhin voneinander getrennt. Wiedervereinigt wurden sie im Jahr 1848 auf eine kurze Zeit, während der Kroatischen Nationalen Wiedergeburt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Kroatien dann ein Teil des Königreichs Jugoslawien, das nach 1945 zur kommunistischen Föderation umgebildet wurde, im Rahmen derer Kroatien bis 1991 eine von sechs Teilrepubliken war. Obgleich Kroatien am 15. Januar 1992 als ein selbstständiger Staat international anerkannt wurde, wurde es gezwungen, die eigene Unabhängigkeit bis zum Jahr 1995 mit Waffen zu verteidigen, als die Befreiung besetzter Gebiete errungen wurde. Im Jahr 1992 wurde Kroatien in die Vereinten Nationen aufgenommen, im Jahr 2009 wurde es ein NATO-Mitglied und am 1. Juli 2013 ein Mitgliedsstaat der Europäischen Union. › Mehr

Wussten Sie schon? Kroatien wurde zum ersten Mal am 7. Juni 879 anerkannt, als Papst Johannes VIII. den Fürsten Branimir als den kroatischen Alleinherrscher (dux Croatorum) anerkannte.

Politisches System

Der Kroatische Sabor ist eines der ältesten Parlamente in Europa.

Kroatien ist eine parlamentarische Demokratie und seiner Staatsform nach eine einheitliche Republik. Kroatien ist ebenfalls ein Sozialstaat;  Freiheit, Gleichheit, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit zählen zu den obersten Werten seiner verfassungsmäßigen Ordnung. Das politische System basiert auf dem Prinzip der dreifachen Gewaltenteilung in die gesetzgebende, vollziehende und rechtsprechende Staatsgewalt. In das kroatische Einkammerparlament Sabor, welchem das Erbe einer jahrhundertelangen parlamentarischen Tradition innewohnt, werden die Abgeordneten für einen Zeitraum von vier Jahren gewählt. Der Präsident der Republik wird in allgemeiner und unmittelbarer Wahl für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Er repräsentiert und vertritt das Land im Ausland, in Zusammenarbeit mit der Regierung gestaltet und führt er die Außenpolitik und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Regierung legt die Gesetze und den Staatshaushalt vor, leitet die Außen- und Innenpolitik, lenkt und kontrolliert die Arbeit der Staatsverwaltung. Verwaltungtechnisch ist Kroatien in 20 Gespanschaften und die Stadt Zagreb gegliedert. Neben den Institutionen der rechtsprechenden Gewalt gibt es in Kroatien auch die Institute der Ombudspersonen, welche die in der Verfassung und durch Gesetze festgelegten Rechte der Bürgerinnen und Bürger fördern und schützen; ferner gibt es Ombudsleute für Kinder, für die Gleichstellung der Geschlechter sowie für behinderte Menschen. › Mehr

Wussten Sie schon? Das älteste erhaltene Protokoll  einer Sabortagung  datiert aus dem Jahr 1273. Bis zum 16. Jahrhundert hielten der Slawonische und der Kroatische Sabor ihre Sitzungen getrennt ab, ab 1681 tagten sie gemeinsam als Sabor der Königreiche Kroatien, Dalmatien und Slawonien. Bis 1847 war die Amtssprache Latein, seitdem ist es Kroatisch.

Bevölkerung

In Kroatien beträgt die Lebenserwartung bei Frauen 80 Jahre und bei Männern 73 Jahre.

Mit seinen 4,3 Millionen Einwohnern nimmt Kroatien auf der Bevölkerungs-Rangliste der EU-Mitgliedsstaaten den 21. Platz, zwischen Irland und Litauen, ein. Rund 60 Prozent der Einwohner leben in den städtischen Gebieten, die weniger als 15 Prozent der Gesamtfläche des Landes ausmachen, davon lebt jeder vierte Einwohner in der Hauptstadt Zagreb. Durch die angestiegene Lebenserwartung ist fast ein Viertel der Bevölkerung Kroatiens älter als 60 Jahre, und etwa 15 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre. Was die ethnische Zusammensetzung betrifft, bilden die Kroaten mehr als 90 Prozent der Bevölkerung. In der Kategorie der religiösen Zugehörigkeit sind die Angehörigen der römisch-katholischen Kirche mit einem Anteil von 86 Prozent am stärksten vertreten; 4,4 Prozent – vornehmlich Serben – gehören der orthodoxen Kirche an. Die Serben bilden zugleich die größte nationale Minderheit. 1,5 Prozent der Gläubigen sind Muslime und 0,3 Prozent Protestanten. Als autochthone Bevölkerungsgruppe leben die Kroaten auch in den Nachbarländern Kroatiens, vor allem in Bosnien und Herzegowina. Die kroatische Diaspora umfasst mehr als zweieinhalb Millionen Menschen weltweit, von Australien bis Nord- und Südamerika sowie Westeuropa. › Mehr

Wussten Sie schon? Die neuesten archäologischen Funde, deren Alter auf etwa 6300 v. Ch. geschätzt wird, zeigen, dass die Stadt Vinkovci (Slawonien) die älteste Stadt Europas ist, deren städtische Kontinuität sich über mehr als acht Jahrtausende erstreckt.

Wirtschaft

Croatia Airlines, die nationale, 1989 gegründete Fluggesellschaft, ist seit 2004 Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance.

Da der Dienstleistungssektor rund zwei Drittel des kroatischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht, der Anteil der Landwirtschaft hingegen weniger als 5 Prozent beträgt, ist die Wirtschaftsstruktur Kroatiens ähnlich wie die in den übrigen Ländern der Europäischen Union. Die wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes werden nicht nur durch die natürlichen Ressourcen, sondern auch durch die Technologie und Industrie bestimmt (Schiffbau, Bauwesen, Petrochemie und Lebensmittelindustrie). Der bedeutendste Wirtschaftszweig ist der Tourismus mit rund 10 Millionen ausländischen Gästen pro Jahr und einem Anteil von 15 Prozent am BIP. Wie in vielen anderen europäischen Ländern ist auch für die kroatische Wirtschaft das größte Problem in der Krisenzeit eine relativ hohe Arbeitslosenquote. Kroatien verfügt über eine entwickelte Infrastruktur, und in den letzten fünfzehn Jahren wurden sogar 1.000 Kilometer moderner Autobahnen ausgebaut, wodurch Kroatien u.a. einen beträchtlichen Beitrag zur besseren Kohäsion zwischen den EU-Ländern geleistet hat. Gerade mit den Ländern der Europäischen Union, vor allem mit Italien, Deutschland, Slowenien und Österreich wickelt Kroatien fast zwei Drittel seines Außenhandels ab; zu den wichtigen Handelspartnern Kroatiens gehören auch Bosnien und Herzegowina sowie Serbien. › Mehr

Wussten Sie schon? Bezogen auf die Gesamtfläche und die Einwohnerzahl nimmt Kroatien gemessen an der Länge der ausgebauten Autobahnen nicht nur den ersten Platz in Südosteuropa ein, sondern auch eine höhere Ranking-Position als viele Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

Bildung und Wissenschaft

Nikola Tesla, ein Pionier des modernen Systems zur Übertragung elektrischer Energie mittels Mehrphasenwechselstroms. Nach ihm wurde die physikalische Einheit der magnetischen Flussdichte benannt.

Im Einklang mit den europäischen Qualitätsstandards hat das kroatische Hochschulwesen an seinen universitären Einrichtungen die besten Eigenschaften des Bologna-Prozesses übernommen und somit seinen Beitrag zur wachsenden Integration von Wissenschaft und Wissenschaftlern in Europa geleistet. Das zeitgenössische Bildungssystem, Hochschulbildung und Forschung basieren auf einer langen Tradition, die auf das Jahr 1396 zurückschaut, als in Zadar die erste Universität gegründet wurde. Die größte, die Zagreber Universität wurde im Jahr 1669 gegründet. Unter den zahlreichen kroatischen Wissenschaftlern und Erfindern, die im Bereich der Wissenschaft auf dem internationalen Niveau ihren außerordentlichen Beitrag leisteten, zeichnen sich insbesondere Ruđer Bošković (1711 – 1787) und Nikola Tesla (1856 – 1943) aus. Der Ersterwähnte war Jesuit, Mathematiker, Astronom, Philosoph, Diplomat und Dichter. Durch die seinerseits aufgestellte atomistische Theorie hob er sich als einer der angesehensten Physiker hervor, ja sogar ein Krater auf dem Mond wurde nach ihm benannt. Das moderne System zur Übertragung von elektrischer Energie wäre nicht denkbar ohne den Erfinder Nikola Tesla, der u.a. die erste Wasserkraftanlage in der Welt an den Niagara Wasserfällen erbaute und solch einen Elektromotor entwarf, wie wir ihn heutzutage in fast allen Elektrogeräten finden. Auch an den anderen Erfindungen, die das tägliche Leben des modernen Menschen prägen, lässt sich die Handschrift des kroatischen kreativen Gedankens erkennen, wie beispielsweise an der Krawatte, am Fallschirm, am Kugelschreiber, ferner am Luftschiff, am MP3-Spieler oder an der Identifikationsmethode anhand der Fingerabdrücke. Derartige wissenschaftliche Exzellenz findet ihre Krönung im Nobelpreis, den zwei kroatische Chemiker bekommen haben, Lavoslav Ružička (1939) und Vladimir Prelog (1975). › Mehr

Wussten Sie schon? Die Kroatische Akademie der Wissenschaften und Künste ist die älteste Institution dieser Art in Südosteuropa (1866), an ihrer Arbeit wirken bis zu 160 ordentliche Mitglieder (Akademiker) mit.

Kultur

Antun Augustinčić, Friedensdenkmal in New York (1955)

Seit jeher ein Bestandteil der mitteleuropäischen und mediterranen Kulturkreise, genauer gesagt, der westlichen Zivilisation, am Treffpunkt mit dem Orient, zeugt der kroatische kulturelle Reichtum auch heute noch von einer Verbundenheit Kroatiens mit den bedeutendsten europäischen Kulturepochen. Zu den sichtbaren Spuren dieses Reichtums gehören sechs in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes eingetragene Denkmäler: die intakt erhaltene Bodenparzellierung des altgriechischen Feldes in Stari Grad auf der Insel Hvar, der Stadtkern des antiken Split mit dem Palast des römischen Kaisers Diokletian, die frühchristliche Euphrasius-Basilika in Poreč, der romanische Stadtkern Trogirs, die Frührenaissance-Kathedrale des Heiligen Jakob in Šibenik sowie die Renaissance-Stadt Dubrovnik. Von den größten Künstlern und Schriftstellern seien erwähnt: Marko Marulić (1450 – 1524), „Vater der kroatischen Literatur“, dessen Werke in ganz Europa gelesen wurden; Juraj Dalmatinac (15. Jh.), der größte kroatische Bildhauer und Baumeister (Architekt) aus der Zeit der Renaissance; Julije Klović (1498 – 1578), der größte Miniaturmaler der Renaissance; Luka Sorkočević (1734 – 1789), der erste kroatische Sinfoniekomponist; Ivana Brlić-Mažuranić (1874 – 1938), „die kroatische Andersen“; Ivan Meštrović (1883 – 1962), der berühmte Bildhauer, und nach Rodins Worten „das größte Phänomen unter den Künstlern“; Milka Trnina (18163 – 1941), die größte kroatische Operndiva sowie Miroslav Krleža (1893 – 1981), Enzyklopädist und nach Ansicht Vieler der größte kroatische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Unter den zeitgenössischen Künstlern zeichnen sich Branko Lustig (1932), Produzent der Oscar-prämierten Filme Schindlers Liste und Gladiator; der Klaviervirtuose Ivo Pogorelić sowie das Cellisten-Duo 2Cellos aus. › Mehr

Wussten Sie schon? Das Porträt des kroatischen  Miniaturmalers Julije Klović aus dem Jahr 1570 ist das älteste erhaltene Porträt, das der große spanische Maler und Bildhauer griechischer Herkunft El Greco malte. Er schuf es als Dank für die Hilfe und Empfehlungen, die Klović ihm, dem damals noch jungen und unbekannten Maler, leistete.

Gesellschaft und Lebensweise

Der mehrstimmige Gesang der dalmatinischen Sängergruppen Klapa ist in die UNESCO- Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen.

Die traditionelle Lebensweise ist in erster Linie durch das Gemeinschaftswesen gekennzeichnet, das sich nicht nur in den Bräuchen, im Kunsthandwerk und in der Folklore widerspiegelt, sondern auch in den gastronomischen Gewohnheiten. Diese sind vor allem von ihren regionalen Besonderheiten geprägt und als ein Bestandteil der touristischen Dienstleistungspalette auch für die ausländischen Gäste immer zugänglicher geworden. Besonders stolz ist Kroatien auf sein erstklassiges Olivenöl und die auserlesenen autochthonen Weinsorten. Der schon erwähnte Gemeinschaftssinn kommt ebenso im Sport und in den sportbezogenen Freizeitbeschäftigungen zum Ausdruck – den beliebtesten Arten der Freizeitgestaltung. Diese Tatsache, aber auch die Erfolge seiner Top-Sportler haben dazu beigetragen, dass Kroatien als eines der sportlichsten Länder Europas gilt. Nicht selten waren gerade die Sportler die wohl bekannten Repräsentanten ihres Landes; unter ihnen haben sich der Basketballspieler Dražen Petrović, Fußballspieler Davor Šuker, Tennisspieler Goran Ivanišević, die Skifahrer Janica und Ivica Kostelić, wie auch die Wasserball- und Handballnationalteams hervorgetan. › Mehr

Wussten Sie schon? Mit vier gewonnenen Goldmedaillen und zwei Silbermedaillen bei den Olympischen Winterspielen ist die kroatische Skifahrerin Janica Kostelić die beste Alpin-Skirennläuferin in der Geschichte der Olympischen Winterspiele.

Kroatien in Europa durch die Jahrhunderte

Die Gräfin Jelena Zrinski (1643 – 1703), vom französischen König Louis XIV sollte sie „die mutigste Frau Europas“ genannt werdenDie Gräfin Jelena Zrinski (1643 – 1703), vom französischen König Louis XIV sollte sie „die mutigste Frau Europas“ genannt werden.

Unter Berücksichtigung aller ihrer Einzigartigkeiten und Einflüsse, von denen sie als Grenzlinie zwischen der östlichen und westlichen Zivilisation verwoben war, wies die kroatische Kultur seit jeher eindeutig die westeuropäischen Wurzeln und die westeuropäische Prägung auf. Die kulturellen Beziehungen Kroatiens und der Kroaten zu den anderen europäischen Völkern und Ländern schauen auf eine sehr lange Tradition zurück und wurden schon seit der Gründung der ersten kroatischen Fürstentümer (9. Jh.) gepflegt. Mit der weiteren Entwicklung einzelner nationaler Kulturen haben sich diese Beziehungen vervielfacht und fügen sich heute, vor allem im Rahmen von zeitgenössischen Globalisierungsprozessen, auch in die internationale Kultur ein, jedenfalls unter Beibehaltung der eigenen unverwechselbaren Identität. Innerhalb der heutigen Europäischen Union gibt es mehrere Kulturkreise – den mitteleuropäischen, deutschen, italienischen, französischen und britischen – und gerade zu diesen Kulturkreisen hat Kroatien im Laufe seiner Geschichte die fruchtbarsten Kontakte gehegt. › Mehr

Wussten Sie schon?

Kroatien ist die Heimat der Krawatte. Die größte Krawatte der Welt wurde im Jahr 2003 rund um das römische Amphitheatar in Pula installiert. (Autor: Marijan Bušić).

Ein vollständig „abgerundetes Wissen“ über Kroatien vermag man nicht schriftlich wiederzugeben, doch ist es erwähnenswert, dass der Begriff, der für derartiges Wissen steht – die Enzyklopädie – bereits 1599 im Titel eines Werks des kroatischen Humanisten Pavao Skalić vorzufinden war, von wo aus er sich in alle Sprachen der Welt verbreitete. In ähnlicher Weise verbreitete sich, als ein Maßstab für Eleganz, in der ganzen Welt auch die Krawatte, deren erste Exemplare eigentlich malerische Halstücher auf der Uniform der kroatischen Soldaten im Dreißigjährigen Krieg waren. Ein unumgänglicher Teil unseres täglichen Lebens sind zudem die MP3-Spieler, und zwar dank dem kroatischen  Programmierer Tomislav Uzelac. Der venezianische Entdecker wurde zu früh geboren, um einen solchen Spieler zu besitzen, was ihn aber mit Kroatien verbindet, ist, einigen Forschern zufolge, der Herkunftsort seiner Familie – die Insel Korčula. Aus derselben Region Kroatiens stammt auch der Dalmatiner, die bekannteste autochthone kroatische Hunderasse, ohne die es den weltberühmten Disney-Zeichentrickfilm „101 Dalmatiner“ nicht gegeben hätte. In diesem Kapitel erfahren Sie viele weitere interessante Informationen über Kroatien... › Mehr