Die Tafel von Baška, das bekannteste und eines der ältesten Denkmäler der kroatischen Sprache, verfasst um das Jahr 1100. Diese 199 x 99,5 x 9 cm große Platte aus weißem Kalkstein enthält die Inschrift, in der zum ersten Mal die Nationalbezeichnung „kroatisch“ in kroatischer Volkssprache festgehalten wurde („Zvonimir, der kroatische König“).

Kultur

Sprache

Die kroatische Sprache gehört zur Gruppe der südslawischen Sprachen. Sie ist die Amtssprache der Republik Kroatien und wird ebenfalls von den Kroaten in Bosnien und Herzegowina, Serbien (Vojvodina), Montenegro (Bucht von Kotor), Österreich (Burgenland), Italien (Molise), Ungarn, in der Slowakei und Rumänien gesprochen, wie auch von der kroatischen Diaspora in Westeuropa, in Nord- und Südamerika sowie in Australien und Neuseeland.

Im Kroatischen gibt es drei Dialekte: den štokavischen, den kajkavischen und den čakavischen Dialekt, die jeweils nach den unterschiedlichen Formen des Fragepronomens „was?“ - što?, kaj?, ča? benannt werden. Die heutige Standard- und Literatursprache basiert hauptsächlich auf den neuštokavischen Formen mit ijekavischer Aussprache und wird in lateinischem Alphabet geschrieben. – In den Jahrhunderten nach der Ansiedlung der Kroaten (im 6./7. Jahrhundert) entwickelte sich die kroatische Sprache hauptsächlich unter dem Einfluss des Lateinischen, der Sprache des westlichen Christentums, während sich ab dem 10. Jahrhundert auch ein wesentlicher Einfluss des Altkirchenslawischen abzeichnete, das bald die Eigenschaften der ihm nahverwandten kroatischen Volkssprache (kroatische Rezension des Altslawischen) annahm und bereits im 13. und im 14. Jahrhundert durch die kroatische Schriftsprache zunächst weitgehend, bis zum Ende des Mittelalters dann aber vollständig ersetzt wurde.

Glagoliza, die älteste slawische Schrift, die vermutlich Mitte des 9. Jahrhunderts von St. Kyrill erfunden wurde. In Kroatien verbreitete sie sich als eckige Glagoliza, von dem 12. Jahrhundert an waren die Kroaten das einzige Volk, das die Glagoliza benutzte und weiter entwickelte (mit Ausnahme von kurzen tschechischen und polnischen Episoden, jedoch wiederum unter kroatischer Vermittlung). In Kroatien erhielt sich die Glagoliza sogar bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Gebrauch. 

Die Tafel von Baška, das bekannteste und eines der ältesten Denkmäler der kroatischen Sprache, verfasst um das Jahr 1100. Diese 199 × 99,5 × 9 cm große Platte aus weißem Kalkstein enthält die Inschrift, in der zum ersten Mal die Nationalbezeichnung „kroatisch“ in kroatischer Sprache festgehalten wurde.
Das Missale nach dem Gesetz des Römischen Hofes, das erste kroatische gedruckte Buch, erschienen am 22. Februar 1483 und das erste liturgische Buch nach dem Römischen Ritus, das nicht in lateinischer Sprache veröffentlicht wurde.
Das Dubrovniker Gebetbuch, das erste kroatische Buch in kyrillischer Schrift, erschienen im Jahr 1512..

Mit dem ausklingenden Mittelalter und in der Neuzeit entwickelte sich die kroatische Sprache unter dem Einfluß des Italienischen, Deutschen, Türkischen sowie bis zu einem gewissen Grad auch des Ungarischen und im 19. und 20. Jahrhundert unter dem Einfluss des Tschechischen. Bis zum 19. Jahrhundert wurde die kroatische Sprache überwiegend in Form von dialektalen schriftlichen und literarischen Formen der (čakavischen, štokavischen und kajkavischen) Schrift- und Literatursprachen gebraucht. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts hielt der štokavische Dialekt Einzug in die kroatische Literatur, so dass zu jener Zeit die Vorgeschichte der heutigen kroatischen Hochsprache eingesetzt hatte.

Kyrilliza, die slawische Schrift, die nach St. Kyrill benannt wurde, der häufig als ihr Schöpfer gilt. In Kroatien wurde sie ab dem 11./12. Jahrhundert neben der Glagoliza eingesetzt und entwickelte sich zu einer selbstständigen Variante – zur kroatischen Kyrilliza oder zur bosnischen Kyrilliza (Bosančica), die sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts im Gebrauch aufrechterhielt. 

Im 16. Jahrhundert verbreitete sich das Štokavische auch auf weitere Bereiche der literarischen Tätigkeit, ab Mitte des 18. Jahrhunderts existierten in Kroatien sowohl die herausgebildete štokavische Schriftsprache als auch die kajkavische Schriftsprache. Waren bereits im 17. Jahrhundert die Projekte für die Schaffung einer einheitlichen kroatischen Sprache auf štokavischer Grundlage ausgearbeitet, so kam man erst im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Illyrischen Bewegung(Illyrismus), von einer dualen Standardisierung der kroatischen Sprache ab. Das Neuštokavische diente als Grundlagengerüst, um das sich, vor allem im Bereich der Lexik, čakavische und kajkavische Elemente gruppierten; durch die Einführung von diakritischen Zeichen (Ljudevit Gaj) wurde zudem eine einheitliche Schreibweise angenommen. In der darauffolgenden Zeit entwickelten sich verschiedene linguistische Schulen (in Rijeka, Zadar, Zagreb sowie die Kroatischen Vukovianer), die eine natürliche Entwicklung der kroatischen Sprache beeinträchtigten, indem sie sie mehr oder weniger von der kroatischen Schrifttradition abtrennten.

Die lateinische Schrift ist die Bezeichnung für das alte lateinische Alphabet und eine Reihe graphematischer Systeme, die sich auf der Grundlage dieses Alphabets entwickelten. Heute verwenden die meisten europäischen Sprachen, so auch das Kroatische (seit dem 14. Jh.), die lateinische Schrift in ihren jeweiligen, unterschiedlich an jede Sprache angepassten Ausprägungsformen. Das kroatische Alphabet hat 30 Buchstaben (Laute), darunter 3 Digraphen (dž, lj, nj) und 5 Buchstaben mit diakritischen Zeichen (č, ć, đ, š, ž). Das Šibeniker Gebetbuch aus dem Jahr 1387 (links) ist eines der ältesten kroatischen sprachlichen und literarischen Denkmäler, die in lateinischer Schrift verfasst wurden. 

Zur Zeit des jugoslawischen Staates (1918 – 1941 und 1945 – 1991) wurde die kroatische Standardsprache in ihrer Entwicklung aufs Neue beeinträchtigt. Im Jahr 1954 wurde das Abkommen von Novi Sad getroffen, in dem beschlossen wurde, dass für die Kroaten, Serben und Montenegriner (die Bosniaken waren damals nicht anerkannt) ein obligatorischer gemeinsamer Name der Sprache (Kroatoserbisch oder Serbokroatisch) eingeführt werden sollte, eine gemeinsame Rechtschreibung und ein gemeinsames Wörterbuch erstellt sowie die allgemeine wissenschaftliche Terminologie vereinheitlicht werden sollten. Durch die Deklaration über die Bezeichnung und Stellung der kroatischen Schriftsprache (1967) begann der offene Widerstand der kroatischen Öffentlichkeit gegen eine solche Sprachenpolitik und – dem Druck zum Trotz, dem die kroatische Sprache ausgesetzt war – wurde die Angleichung der Standardformen dieser beiden Sprachen nie in die Praxis umgesetzt. Obwohl sich die Sprecher dieser Sprachen verständigen können, entwickelte sich die kroatische Sprache unter wesentlich unterschiedlichen kultur- und historischspezifischen Umständen und bildet heute im linguistischen, und insbesondere im soziolinguistischen Sinne, eine eigenständige südslawische Sprache.